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Stadtteilbroschüre Bettenhausen und Forstfeld
 
Radtouren zum Geniessen
Einleitung
1. Kassel-Runde 36 km
2. Kassel-Norden 31 km
3. Kassel-Süden 44 km
4. Kassel-Hann. Münden 29km
5. Spiekershausen-Staustufe Wahnhausen 25 km
6. Auf der Söhrebahntrasse nach Wellerode-Wald 30 km
7. Büchenwerra 46 km
8. Dornröschen-Tour Hofgeismar-Reinhardswald 47km
9. Hofgeismar-Runde 42 km
10. Die Sprengstofftour Helsa-Hirschhagen 30 km
11. Diemel-Weser-Tour 70 km
12. Durch das Niestetal zum Kaufunger Wald 60 km
13. Im Niestetal 35 km
14. Eine Söhre-Runde 45 km
15. Hann. Münden-Gieselwerder-Runde 57 km
16. Von Wolfhagen zum Twistesee 50 km
17. Auf dem historischen Radweg um Wolfhagen 21 km
18. Rund um den Kaufunger Wald 102 km
 
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  Dies & Das

Radtouren zum Geniessen / 10. Die Sprengstofftour Helsa-Hirschhagen 30 km

 
 
 

Die Sprengstofftour

 

In den 30-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts plante die Deutsche Wehrmacht mehrere riesige Sprengstofffabriken, die jeweils versteckt in entlegenen Gegenden errichtet werden sollten. Ein Standort für die Fabrik mit dem Tarnnamen „Friedland“ war der Kaufunger Wald bei Hessisch Lichtenau. Ab 1935 wurde mit dem Bau begonnen,  in 1938 begann die Produktion und wurde mit Arbeitsdienst, Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, zuletzt auch mit KZ-Häftlingen bis Frühjahr 1945 betrieben. Viele Menschen verloren hier bei Arbeitsunfällen, vor allem aber bei mehreren großen Explosionen ihr Leben, und die Umweltschäden sind heute noch eine bleibende Bedrohung. Mit unserer Radtour zu den Wohnlagern und Produktionsstätten in und um Hirschhagen verbinden wir  Sport und Freizeitgestaltung mit Geschichts- und Heimatunterricht, und mit Ökologie- und Umweltschutzthematik.

 

Tourenverlauf:

Start ist am Bahnhof Helsa. Dort gibt es Park & Ride-Plätze, die Tramlinie 4 kommt von Kassel her, und über den Lossetalradweg kann natürlich auch die Anreise per Rad erfolgen. Zunächst orientieren wir uns an den Radwegschildern Herkules-Wartburg. Vom Bahnhof kommend queren wir die Leipziger Straße, halten und links und biegen hinter der Lossebrücke rechts ab in den Sportplatzweg. Am Schwimmbad und den Tennisplätzen vorbei, biegen wir vor den zweiten Sportplatz rechts ab. Nach 500 m unterqueren wir die Bahnlinie, biegen nach einem kurzen Anstieg links ab und fahren bergauf über den Bahnübergang. Dann halten wir uns rechts. Vor dem Waldrand sehen wir links Kaskaden, in denen ein kleiner Bach talwärts rauscht. Was hier an Wilhelmshöhe erinnert,  war früher ein Abwasserkanal der Fabrik Hirschhagen. Über viele Jahre, auch noch lange nach Kriegsende, war die Losse durch die aggressiven Abwässer biologisch tot. Später wurde ein unterirdischer Kanal nach Kassel gebaut und die Abwässer direkt in die Fulda geleitet.

 

Stetig ansteigend, führt der Radweg am Waldrand Richtung Waldhof. Rechts blicken wir ins grüne Lossetal, wo sich der Bach in weiten Schleifen durch die Wiesen windet. Und nach etwa 2 km erreichen wir den Helsaer Ortsteil Waldhof, und damit das erste der früheren Arbeitslager der Fabrik. Über die Ringstraße, nach dem Altenheim links bergauf, machen wir einen Rundgang durch die Siedlung. Noch heute erkennt man gut den einheitlichen Charakter der Siedlungshäuser. Diese Wohnanlage war nicht nur mit Baracken geplant, sondern als Mustersiedlung und Vorzeigeprojekt  überwiegend mit festen Häusern sowie einem großen Gemeinschaftshaus, dem heutigen Altenheim, und einem Sanitätshaus. In zeitgenössischen Zeitungsartikeln wurde sie als „Dorf der Frauen“ vorgestellt. Ab 1940 wohnten hier in den 50 Häusern über 900 Frauen, vorwiegend deutsche Dienstverpflichtete.

 

Am Ende der Ringstraße kommen wir wieder auf die Straße nach Eschenstruth und folgen ihr bis zum Bahnhof. Gegenüber sehen wir das Fabrikgelände der früheren Türenfabrik Becher & Sohn. Neben diesem Gelände stand ein weiteres Wohnlager, genannt Esche-Holz. In dem sehr provisorischen Barackenlager waren zunächst etwa 700 Frauen aus Italien und aus der Sowjetunion untergebracht. Die katastrophalen hygienischen Verhältnisse gipfelten in einer Typhusepidemie in 1944.

 

Wir folgen vor dem Bahnübergang der Straße links Richtung Fürstenhagen. Am Waldrand entlang folgen wir dem ausgeschilderten Radweg, queren vor Fürstenhagen die Bahnlinie, nach 200 m geht es wieder links ab über den Bahnübergang und rechts weiter. In der Ortsmitte geht es rechts unter der Bahnlinie durch, und an der Ampel geradeaus über die B 7 in die Lindenstraße. Dann fahren wir links ab in die Schulstraße bis zum Ortsausgang. Dort führt ein Tor auf das Gelände der Lenoirstiftung. Früher betrieb die Stadt Kassel hier ein Waisenhaus, nach dem Bau der Fabrik war hier von 1940 bis 1945 die Unterkunft für 800 Frauen sowie für die leitenden Angestellten, daneben das Kasino und das Werkskrankenhaus. Nach dem kurzen Abstecher geht es zurück zur Schulstraße und links auf dem Radweg bergan. Auf der Höhe angekommen, haben wir nach links einen freien Blick auf die Orthopädischen Kliniken Lichtenau. Nach 1945 wurde die Klinik zuerst in Baracken des Wohnlagers Teichhof an dieser Stelle eingerichtet. Ab 1940 standen dort 12 Baracken, in denen etwa 700 Arbeiterinnen wohnten. Ab 1941 waren die Baracken dann mit über 1000 Männern belegt. Wir erkennen: Männer lassen sich besser stapeln.

 

Weiter geht es nach Hess. Lichtenau hinein. Nach der ersten Neubausiedlung folgt eine Bebauung, die wir schon aus Waldhof kennen. Es ist das ehemalige Lager Herzog, benannt nach dem damaligen Architekten. Hier wohnten bis zu 1100 Männer, zuerst deutsche Dienstverpflichtete, ab 1942 aber überwiegend Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus Holland, Bulgarien und Frankreich.

 

In Hess. Lichtenau folgen wir den Radwegweisern Herkules-Wartburg. Bergan an der Kirche vorbei, dann links ab, über die Grünanlage und durch ein Tor in der Stadtmauer, erreichen wir die Innenstadt. Über die Landgrafenstraße, an der Kirche vorbei, geht es geradeaus in die Heinrichstraße. Hier sieht man nichts mehr aus der damaligen Zeit, aber dort, wo heute die Realschule steht, war das Lager Vereinshaus. Bereits 1938 erbaut, hat es seinen Namen von dem früheren evangelischen Gemeindehaus, das hier stand und als Verwaltungsgebäude des Lagers genutzt wurde. Bis 1944 war das Lager Vereinshaus Wohnlager für 600 Arbeiter. Dann wurde es ein Außenlager des KZ Buchenwald, über 1000 Frauen wurden hier gefangen gehalten und täglich durch die Stadt zur Arbeit getrieben. Zum größten Teil waren es ungarische Jüdinnen, die dann am 29. März 1945 in Güterwaggons Richtung Leipzig abtransportiert wurden. Nur wenige haben überlebt.

 

Wir fahren die Biegenstraße hinunter zur Poststraße, links ab und am Ende der Straße rechts in die Friedrichsbrücker Straße. Am Ortsende geht links die Kreisstraße nach Föhren bergauf. Vorbei an einem Reiterhof sehen wir am Waldrand die Häuser dieses Lichtenauer Stadtteils. Ab 1940 wohnten hier bis zu 700 Zwangsarbeiter, Polen, Italiener, Tschechen, Slowaken, Franzosen sowie „Ostarbeiterinnen“. Geradeaus durch die Siedlung fahren wir auf einem Waldweg bergab. Hinter dem Bach an der Kreuzung links, dann über einen weiteren Bach, dem wir rechts bergan folgen. Über die nächste Kreuzung links bergauf zur nächsten Kreuzung, an der wir rechts abbiegen. Vorbei am Ev. Jugendheim, kommen wir zum ehemaligen Torgebäude der Fabrik.

 

Hinter dem Tor biegen wir links in die Einsteinstraße. Ihr folgen wir vorbei an Bunkern, Ruinen, neuen Hallen und zahllosen Firmen zur Daimlerstraße, wir biegen links ab bis zur Abzweigung auf den Parkplatz der Gaststätte Rohrbachtal. Hier ist Pause. Danach geht es über die Daimlerstraße zurück bis zur Dieselstraße. Diese Straße queren wir, biegen rechts in die Hertzstraße und folgen dann der Lilienthalstraße bis zum großen Hirschhagener Teich. Vor Ostern 1945 wurden hier die restlichen Sprengstoff- und Munitionsbestände der Fabrik in die Teiche entsorgt. Noch ein kurzes Stück weiter sehen wir den hohen Schornstein und die Gebäude der früheren Firma Reolit. Nun wieder zurück  bis zur Dieselstraße, und rechts ab. Hier kommen wir an der großen Schleifschlammdeponie vorbei. Bis zu 18 m stark liegt hier der Schlamm aus der Kunststeinproduktion, und darunter sind noch die giftigen Abfälle der Sprengstoffproduktion. Die Halde ist mit einer Notbedachung abgedeckt. Inzwischen wurde beschlossen, sie insgesamt umzulagern und gesichert neu zu deponieren, diese Arbeiten laufen zurzeit und werden noch einige Jahre andauern.

 

Über eines der zahlreichen Bahngeleise verlassen wir das Werksgelände. Für die Fabrik Hirschhagen waren insgesamt 360 km Bahngeleise verlegt. Wir fahren am Waldrand links ab, halten uns an der nächsten Abzweigung rechts und kommen auf einem stark abfallenden Waldweg oberhalb Waldhofs vorbei auf den Lossetalradweg zurück. Nun sind es noch 2 km bis zum Ausgangspunkt am Bahnhof Helsa.

 

Allgemeine Beschreibung:

Gesamtfahrtstrecke: 30 km. Leichte bis mittlere Anstiege. Überwiegend Asphalt- und Schotterwege, kurze Stücke auf Waldwegen. Einkehrmöglichkeiten in Hess. Lichtenau, in Hirschhagen, und am Start- und Zielpunkt Helsa.

Kartenempfehlung: Topographische Karte 1:25000 Nr. 4724 Großalmerode, Hess. Landesvermessungsamt

Datengrundlage (PK 50): Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation