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Bettenhausen - früher und heute / 6-Mühlen in Bettenhausen-1

 
 
 

Die Mühlen in Bettenhausen

 

Die Mühlen an der Losse und am Lossenmühlgraben

 

von Horst Knoke         1990

 

Inhaltsverzeichnis

Artikel Seite
Plan von den Mühlen 3
Vorwort 4
1. Kupfermühle 6
2. Eisenhammer 7
3. Messinghof 9
4. Drahtmühle 17
5. Lohmühle 19
6. Zobelsmühle 21
7. Grebenmühle 22
8. Ragemühle 23
9. Mühle mitten im Dorf 24
10. Lohmühle unterm Dorfe 25
11. Agathof 26
12. Ölmühle 30
13. Pulvermühle 33
     Mühlen-Erzeugnisse 36
     Mühlen-Register 38
        Plan aus 1913 40

 


 

Vorwort

 

Die Mühlen an der Losse

 

So erstaunlich es dem flüchtigen Betrachter vielleicht auch erscheinen mag: Bettenhausen verdankt seine Entwicklung vom Ackerdörfchen zum Industriezentrum Kassels in erster Linie dem kleinen, unscheinbaren Flüßchen Losse. Am Lauf dieses Flüßchens, das die keltischen Ureinwohner unseres Gebietes „Lotzmane“ nannten und besonders des dazugehörigen Mühlgrabens, entstanden vor Jahrhunderten zahlreichen Mühlen, die seine Wasserkraft für alle möglichen Zwecke ausnutzten.

 

Viele dieser Mühlen sind heute wieder verschwunden, einige bestehen noch und manche sind inzwischen zu Industriewerken geworden. Eine ganze Reihe von Straßennamen in Bettenhausen halten die Erinnerung an die alten Mühlen wach, z.B. Herwigsmühlenweg, Ölmühlenweg, Drahtmühlenweg, Zobelmühlenweg, Lohmühlenweg, Fausmühlenweg, Pulvermühlenweg, Walkmühlenstraße, Kupferhammerstraße, Eisenhammerstraße, Agathofstraße und die Straße „Am Messinghof“.

 

Aus den vorgenannten Namen geht schon hervor, daß es sich bei den Mühlen keineswegs nur um Mahlmühlen, die auch allerdings zahlreich vorhanden waren, handelte, sondern daß sie den verschiedensten Zwecken dienten. Es ist außerordentlich schwierig, die Geschichte der Lossemühlen zu schreiben, denn viele davon haben im Laufe der Jahrhunderte mehrfach nicht nur ihre Zweckbestimmung, sondern auch ihre Namen geändert, ohne daß uns sichere urkundliche Unterlagen darüber zur Verfügung stehen. Von manschen Mühlen ist uns überhaupt nur der gelegentlich in irgendeiner Urkunde erwähnte Name erhalten geblieben ohne daß wir genau feststellen können, wo diese Mühlen gelegen haben. Wir wollen uns daher in dieser Abhandlung in erster Linie auf diejenigen Mühlen beschränken, die an der Losse sowie am Losse-Mühlgraben lagen.

 

Die Wasserkräfte der Losse, denen das Bettenhäuser Mühlengewerbe die Entstehung verdankt, waren auch der Anlaß zu der Schaffung der älteren Industrieanlagen dort. Sie verdanken ihre Entstehung dem Willen der Landesherrschaft, die die Absicht hatte, die wirtschaftlichen Kräfte der ihr anvertrauten Bevölkerung zu fördern. Es sollten dem Lande neue Mittel zugeführt werden.

 

Dem Fürsten war sein Land ein großer Haushalt, den er zu Nutz und Frommen der eigenen Interessen ebenso wie zu dem der Untertanen verwaltete. Und aus dieser Idee wurde der Merkantilismus (Wirtschaftspolitik des 17. Und 18. Jahrhundert) geboren, ein System, das bestimmt war, durch intensivste Entwicklung der heimischen Wirtschaft das Geld im Lande zu erhalten bez. Auch durch Export neue Geldmittel für den Landeshaushalt herbeizuschaffen. Vornehmlich sollten die Urprodukte des Landes nach Kräften zu Fertigware verarbeitet werden.

 

Wir betrachten nun die Mühlen der Reihenfolge nach, von da wo die Losse in die Bettenhäuser Gemarkung eintritt (Autobahnbrücke Leipziger Straße) bis zur Mündung des Lossemühlgrabens in die Fulda (Wahlebach an der Hafenbrücke).

 

1. Kupferhammer

 

Der Kupferhammer wurde durch Landgraf Carl in der Zeit um 1680 in der ehemaligen Alexismühle eingerichtet und führte zunächst die Bezeichnung oberste Drahtmühle. Es diente in Verbindung mit dem Messinghof der Verarbeitung des Kupfers, das in den nordhessischen Gruben gewonnen wurde. Er liegt zwischen dem Lindenberg und dem Eichwäldchen (vor der Autobahnbrücke).

Ein älteres Gebäude ist noch von dem alten Werke erhalten, ein Fachwerkhaus, das zu der früher betriebenen Wollwäscherei gehörte. Die Anlage wird in der Hofkabinettsrechnung gemeinsam mit dem Messinghof genannt. Erwähnt wird, daß hier zwei Hämmer für Kupfer im Betriebe seien. Bei dem Verkauf der sämtlichen staatlichen Werke an der Losse 1869 kam auch der Kupferhammer in Privatbesitz.

 

Später dienten die Gebäude einer Brauerei und Ende des vorigen Jahrhunderts verlegte eine Wollwäscherei von Melsungen nach dort ihren Betrieb, der aber keine große Bedeutung erlangte und nach manchem Firmenwechsel es eben nicht leicht hatte.

 

1938 fand man bei Bauarbeiten an den alten Gebäuden noch Kupferreste als Zeugen des lange betriebenen früheren Gewerbes. Kurz vor dem Kriege erwarb dann 1938 der aus Leipzig stammende Wollhändler Walther Geißler das Grundstück mit seinen alten Gebäuden. Es gehörte viel Mut und Geschick dazu, daraus ein modernes Industrieunternehmen zu machen, zumal die Zeit der Aufrüstung und des Krieges einem solchen, friedlichen Zwecken dienenden Plan keine Förderung angedeihen ließ.

 

Nach dem Kriege nimmt die Wollwäscherei in Kassel Bettenhausen für die nachfolgende Wollindustrie eine Schlüsselstellung ein, die wohl den meisten unserer Mitbürger unbekannt ist. Die Erzeugnisse gehen in das gesamte Bundesgebiet von Schleswig-Hollstein bis an die schweizer und tschechische Grenze; ein nicht unbedeutender Teil wird als gewaschenen Wolle wie anerkannter Qualität exportiert.

 

Die mit der Wollwäscherei verbundene Wollgroßhandlung hatte internationalen Ruf und war eine der größten ihrer Art zwischen den Wollgroßhandelsplätzen in Bremen und Hamburg und Süddeutschland.

 

1955 verstarb Walther Geißler bei einer Woll-Einkaufsreise in Neuseeland und sein Lebenswerk ging kurze Zeit später ein.

 

An den Kupferhammer erinnert heute noch die „Kupferhammerstraße“ auf dem Lindenberg, die vom Forstbachweg zum Faustmühlenweg führt.


 

2. Eisenhammer

 

Über den Namen des Eisenhammers sind Zweifel geäußert worden, seit wann er diesen Namen trage. Er befand sich zwischen Leipziger Straße und Fischhausweg.

 

Erhalten sind zwei ältere Gebäude, deren eins die Jahreszahl 1685 trägt. Die Dachkonstruktion dort deutet jedenfalls auf eine Papiermühle hin, deren Dachböden zum Trocknen der fertigen Papierbögen eingerichtet sein mußten.

 

Offen muß zunächst die Frage bleiben, ob die im Jahre 1509 erwähnte „Bappiermole“ zu Bettenhausen bzw. „Meister Peter der bappiermacher“ ihren Betrieb schon auf dem Gelände der späteren Papiermühle im sog. „Eisenhammer“ hatten. – Als Papiermühle aber bezeugt sich die Anlage 1702. Der Papiermacher - Meister Friedrich Schürmann in der „Papiermühle hinterm Messinghof“ kommt in jenem Jahre in der Hofkabinettsrechnung vor, sie muß in gutem Stande gewesen sein, da „keine Reparatur“ ausdrücklich dazu vermerkt wird.

 

Über die Papier-, Schneide- und Bohrmühle im „Eisenhammer“ gibt uns der Erbleihebrief Auskunft. Sie wird schon in dem Erbleihebrief vom 16. November 1714 nur als in der angegebenen Branche arbeitend genannt. Vererbleiht wurden das Mühlengebäude, das Leimhaus, Garten, Wiesen und Stallungen. Der vereinbarte Erbleihzins von jährlich 200 Talern durfte nicht erhöht werden. Der Zins war jedemal auf Martini fällig. Außerdem hatte der Betrieb jährlich zwei Ballen feines weißes Schreibpapier an den Materialienverwalter der Oberfinanzkommission unentgeltlich zu liefern, den übrigen Behörden deren Bedarf gegen angemessene Bezahlung.

Bei einer Neubelehnung werden noch einmal alle Rechte und Pflichten der Erbleihbeständer namhaft gemacht, darunter auch daß er die Baulichkeiten zwar in gutem Zustande zu halten habe, dafür aber auch aus den Staatswaldungen unentgeltlich Eichenholz anfordern dürfe. Er sei aber auch verpflichtet, gutes Papier zu liefern und die Zuflüsse zu den Fischteichen (die sich in der Nähe befanden) nicht zu stören.

 

Man glaubt annehmen zu dürfen, daß der Name „Eisenhammer“ erst aus der Zeit nach der Aufgabe des Papiermühlenbetriebes 1839 stammt. Ein Eisenhändler, Konrad Ludwig Hartwig, zu Kassel in der mittleren Marktgasse wohnhaft, hat das Werk nach dem Jahre 1841 übernommen und dort einen Eisenhammer eingerichtet, der dort etwa zwischen 1848 und 1854 bestanden hat, dann aber stillgelegt wurde und das Werk an den Staat zurückgefallen ist.

Als der Eisenhammer 1869 vom preußischen Staate verkauft worden war, befand sich nur ein Holzsägewerk darin. Dann erwarb die Stockfabrik Rocholl, zu Beginn der siebziger Jahre die Baulichkeiten und 1949 siedelte sich die Firma Menzel-Tische hier an die in den 70er Jahren eingegangen ist.

 

An den Eisenhammer erinnert heute noch die „Eisenhammerstraße“ auf dem Lindenberg, die vom Forstbachweg zum Steinbruchweg führt.

 


 

3.Messinghof

 

Dem Laufe der Losse folgend, ist die Forstmühle (abgesehen vom Kupfer- und Eisenhammer) als die oberste der eigentlichen Mühlen anzusprechen.

 

Der Messinghof wurde durch Landgraf Philipp den Großmütigen im Jahre 1560 in der ehemaligen Forstmühle eingerichtet. Die Gebäude sind heute noch teilweise erhalten und liegen zwischen der Leipziger Straße und dem Kleingartenverein Losse.

 

Seine Baulichkeiten sind die monumentalste Anlage im Bereich von Bettenhausen. Verwaltungsrechtlich bildeten sie jedoch einen eigenen Bezirk, der nicht einfach in die Dorfschaft eingegliedert war. Noch klingt in der Architektur des Messinghofes etwas der alte Herrenhof an, besonders in dem Hauptgebäude mit seinem geschweiften Westgiebel und der Toranlage, die das hessische Wappen ziert. Und auch der südwärts vorbeigeführte Mühlenkanal wirkt wie der Graben einer festen Talburg; man hat bei der Betrachtung des Ganzen nicht das Gefühl, vor einer Industrieanlage zu stehen, wenn nicht die neueren Bauteile, wie der hohe Schlot, wären. Der alte Messinghof hatte noch viel von der in die Landschaft hineingestellten Hofanlage, von der Mühle im stillen Tale.

 

Der Messinghof hatte schon einen anderen Vorgänger an anderer Stelle. Schon im Jahre 1527 hatte Landgraf Philipp der Großmütige in Oberkaufungen eine Messinghütte anlegen lassen, um die Erträgnisse der Bilsteiner Kupfergruben im Höllentale, die seit dem Jahre 1493 in Betrieb waren, zu verwerten. Wie lange dieser Betrieb dauerte, ist nicht bekannt; es scheint aber, daß schon um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts diese Anlage näher an die Hauptstadt Kassel herangezogen wurde, denn um diese Zeit wurde die Forstmühle zum Rotgießen benutzt.

 

Die Forstmühle lag auf dem Gelände des heutigen Messinghofes.

 

Aber erst als nach der Beendigung des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) die Kupfergruben zu Richelsdorf und Frankenberg größere Erträge zu liefern begannen, konnte man daran denken, ein neues Werk auf die Verarbeitung dieser Bergerträgnisse zu begründen.

Dies Werk ward nun durch den Landgrafen Karl in den Jahren 1679/80 in dem heutigen Messinghofe ins Leben gerufen.

 

Neben dem Messinghofe enstand dann noch der Kupferhammer als Ergänzungswerk; von ihm wird unten noch die Rede sein.

 

Sämtliche Kupfergruben des Hessenlandes, gleichgültig, ob sie sich in landesherrlicher Hand oder in der von Gewerkschaften befanden, mußten ihre Erträgnisse zu einem festen Preise zwecks Weiterverarbeitung abliefern. Ein Verkauf der Rohprodukte außer Landes war nicht gestattet. Und wie bei Erbleiheverhältnissen im alten Rechte beim Tode des Landesherrn der neue Fürst einen neuen Lehnsbrief ausstellen mußte, so erteilte auch Landgraf Friedrich I. erneut dem Messinghofe im Jahre 1741 das erwähnte Privilegium, das auch weiter in Kraft blieb. Das zur Herstellung des Messings benötigte Zink mußte allerdings aus Schlesien bezogen werden; ein Schmelzwerk und eine Gießerei waren für die Herstellung des Messings besonders geschaffen worden. Es gibt aus dem Jahre 1697 eine anschauliche Schilderung, von dem damaligen Zustande des jungen Werkes.

Es wird geschrieben: „Bey gedachten Forst an der Lossa liegt der von Herrn Landgraf Carlen im Jahre 1680 neuerbaute Messinghof, ist ein räumlicher Platz mit ziemlichen Gebäuden umgeben, darin feine Logiamenter zur Lust und Verwahrung der Arbeit, massen darin der Messing=Draht, Galmei und anderen Mühlhämmern und Gebäuen, ingleichen zwen Kupfer=Hämmer mit deren Zubehör, daselbst allerhand Messing= und Kupfer=Waaren verfertiget, auch messinge Tigel und allerhand Gröppengut und Glocken gegossen werden.“

 

Der Betrieb war nicht immer, wie in späterer Zeit, landesherrlicher bzw. staatlicher (Regie=) Betrieb, er ist es allerdings noch im Jahre 1702 gewesen. In der Kabinettsrechnung jenes Jahres 1702 erscheint der fürstliche Messinghof- und Kupferhammerverwalter und führt einen Jahresüberschuß von 600 Reichstalern an die Kasse des Landgrafen ab.

 

Das damit verbundene Missing-Schmels- und Hammerwerk über Bettenhausen, das noch gesondert aufgeführt wird, ist vielleicht nur ein besonderer, damals noch neu aufgenommener Teil des Betriebes. Dabei sind die Lieferungen der Hämmer für den Hof, z.B. für die Maschinen- und Instrumentenbauarbeiten des Landgrafen, besonders verrechnet.

 

Einige Nachrichten des Verwalters „auffm Messinghof“ an die fürstlichen Sammlungen lassen uns erkennen, wieviel Interesse der Landgraf Karl bei seinen vielseitigen wissenschaftlichen Neigungen an seiner Schöpfung haben mußte. So wurden geliefert am 10. Mai 1703 „in´s Kasseler Kunsthaus Messingdraht und eine Platte Messing für 17 Reichsthaler“. Am 28. Februar 1705 wurden wieder für 231 Reichsthaler „Kupfer und Messing zur Verarbeitung von Instrumenten“ geliefert. Dann folgten am 18. Juni 1710 „drat, Messing“ die Lieferungen waren in den Jahren 1706 – 1708 erfolgt, die Rechnung über 65 Reichstaler erging erst unter dem genannten Tage. Am 8. März 1712 kam es dann noch zu folgender Verrechnung: „Denen Mössingschlägern auffm Mössinghoff Simon Wentzell und Georg Momberg wegen des zu behuf des großen Quadranten geschlagenen Mössings“ 8 Rthlr. – Dieser große Quadrant wurde vom Hofmechanikus Zacharias Pöhling zwischen 1710 und 1716 verfertigt, das Eisen dazu lieferte die Hütte zu Holzhausen bei Homberg.

 

Später war der Messinghof vorübergehend verpachtet. Als Pächter (oder „Beständer“) tritt aus den Kabinettsrechnungen des Jahres 1716 der hannöversche Amtmann Diederich Johann Crauel entgegen. Er zahlte jährlich für den Messinghof eine Pacht von 800 Talern. Von hier aus wurde auch das Material für die Herkulesstatue geliefert; einige der Zahlen darüber mögen hier Platz finden: „Vom Pächter des Kupferhammers, dem Amtmann Crauel, wurden vom 25. April bis 11. Juli 1716 noch Vor. Ihr. Hochfürstl. Durchl. Carl Landgraf zu Heßen durch H. Johann Jacob Anton (richtig Anthoni) abfolget an geschmiedetem Kupfer 16 Zentner 29 ¾ Pfund und 59 ½ Pfund Messing, zusammen für 552 Taler 27 Albus 1 2/3 Heller, dagegen lieferte Anthoni 7 Zentner 62 ¼ Pfund an altem und Abschnitzkupfer zurück, so daß 340 Taler 2 Albus und 8 4/9 Hlr. Verblieben. Vom 11. November 1715 bis zum 29. Juli 1716 lieferte Crauel an Anthoni zu der großen Statue 10 Zentner 96 5/8 Pfund Kupfer und Messing, wogegen dieser 8 Zentner und 89 3/8 Pfund an Abschnitzkupfer zurückgab, so daß Crauel noch 95 Taler 27 Albus 2 5/9 Hlr. Gutblieben. Weitere Kupferlieferungen kommen seitdem (29. Juli 1716) nicht mehr vor“.

 

Die Herkules–Figur wurde in den Jahren 1714 – 1717 von dem Augsburger Goldschmied Anthoni über einem Holzmodel in Kupfer getrieben. Die Maße der Herkules–Figur sind hinter dem Bericht über den Messinghof aufgelistet. Nachtrag Seite 14.

 

Schon spätestens in den vierziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts muß das Pachtsystem auf dem Messinhofe wieder aufgehoben sein. Während des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763) der, die näher an Kassel heranliegenden Industriewerke in Flammen aufgehen ließ, blieb der Messinghof verschont. Außer seiner Entfernung von den Festungswerken der Stadt verdankte er seine Erhaltung einem Schutzbriefe.

 

Über den damaligen Betrieb des Werkes sind wir einigermaßen unterrichtet durch eine Beschreibung von Kassel. Hier wird gesagt: „Weiter unten (an der Losse) ist der von Herrn Landgraf Carl 1680 erbaute Messinghof, woselbst allerlei Draht, Kessel und andere nützliche Sachen verfertiget werden. Auch befindet sich in diesem Gebäude der Kupferhammer, ingleichen die Münze, welche nach dem Model eines Schweden angelegt worden ist. Mit dieser Maschine wird vermittelst etlicher Wellen, welche beide das hohe unterschlächtige Wasserrad treibet, in kurzer Zeit und mit leichter Mühe viele Arbeit verrichtet.“

 

Ums Jahr 1830 erscheint der technische Betrieb des Werkes gegen den bisherigen Zustand erheblich verbessert. Damals hatte das Werk schon drei oberschlächtige breite Wasserräder, die in dieser Gestalt noch erhalten waren. Neben den Kupferhämmern bestand auch noch das Walzwerk. Und 1837 werden weitere vier Hämmer, die Schmelze und eine Kesselhütte – wohl zum Gusse von Messingkesseln – erwähnt. Als dann im Jahre 1866 der hessische Kurstaat unterging, war damit auch die Fortexistenz des Betriebes in staatlicher Hand erledigt.

 

So wie die Landesherrschaft Sozialpolitik im Stile ihrer Zeit trieb, z.B. durch den Bau von Arbeiterhäusern, so legte sie auch auf dem Messinghofe eine Kantine an, die ausschließlich nur an die Arbeiter des Werkes verkaufen durfte, um nicht das Privileg der damals Waltherschen Schankgerechtigkeit zu brechen. Das Privileg für die Wirtschaft des Messinghofes ist vom 9. November 1814 und galt für die Häuser Nr. 319 und 321, die sog. „Neuen Häuser“. Der Pächter war gezwungen seinen Branntwein zu 2 Albus das Maß zu beziehen und durfte in seiner Wirtschaft weder Kegelbahn noch Stoßbahn oder Musik halten.

 

Der Übergang der staatlichen Werke an der Losse, soweit sie mit dem Messinghof verwaltungstechnisch verbunden waren, in private Hand erfolgte im Jahre 1869: die Firma Lieberg & Co. erwarb den Messinghof, den Kupferhammer und den Eisenhammer. Das Aussehen des Messinghofes, der auch in der Hand der genannten Firma der alten Industrie weiter diente, hat sich kaum verändert. Nur die Wasserräder sind durch eine Turbine und weiter durch Dampfkraft verstärkt worden, die Kraftübertragung erfolgt nun durch Elektromotoren. Der Betrieb erstreckte sich auf die Verarbeitung aller Metalle. In der Metallgießerei wird die Herstellung von Formguß aller Art für Maschinenbau und Eisenbahnen betrieben. Ferner wird Schlaglot gefertigt für Fahrrad- und Automobilindustrie, eine Zinnhütte befaßt sich mit der Herstellung von Elektrolytzinn, ferner wird Lagermetall und Lötzinn hergestellt. Daß Kupferkessel und alle übrigen Kupferwaren dort gefertigt werden, ist selbstverständlich.

 

Der Betrieb wurde nach dem Krieg eingestellt. Der Kupferhammer selbst befindet sich nach Abriß des südlichen Teiles des Messinghofes und fast 10jähriger Lagerung im Wilhelmshöher Marstall seit 1969 in einem Museum in Hagen.

 

An den Messinghof erinnert heute noch die Straße „Am Messinghof“ auf dem Lindenberg zwischen Kupferhammerstraße und dem Faustmühlenweg.

 

Nachtrag zu Seite 12, Abs. 2:

Verschiedene fürstliche Werkstätten befanden sich zu jener Zeit im Graben des alten, 1811 abgebrannten Landgrafenschlosses an der Fulda. Möglicherweise hat der Goldschmied Anthoni dort in der Nähe des Fürstenhauses an dem Standbild gearbeitet, bevor es 1717 montiert werden konnte.


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  • Teil 3

                      

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