Stadtteilzentrum Agathof - Zur Startseite Stadtteilzentrum Agathof - Zur Startseite info@agathof.de
Stadteilzentrum Agathof
 
info@agathof.de Impressum
Wir über uns   Aktuelles   Angebote   kasseler_osten   Dies & Das   Archiv
 
Entwicklung des Stadtteilzentrum Agathof
 
Nutzerplenum
 
Presse
 
Erinnerungen im Netz
 
Erinnerungen Raum geben
Ausstellung
Ausstellungstermine
Begleitprogramm
Erinnerung als Kultur
Förderung und Sponsoren
Poznan
Projektpartner
Projektverlauf
Reisebericht
Reiseroute
 
Veranstaltungen
 
Konzerte
 
  Sie haben Wünsche, Anregungen oder Fragen? Treten Sie mit uns in Kontakt!  
 
 
  Archiv

Erinnerungen Raum geben / Reisebericht

 
 
 

Boxes on Tour:

 

  Prag – Cluj-Napoca – Kotka

Persönliche Reiseeindrücke

 

 

Bad Schandau ist auch nicht mehr das, was es einmal war – keine direkte Eisenbahnverbindung mehr zu acht europäischen Hauptstädten, kein EC „Goethe“ oder „Gustave Eiffel“, der Paris direkt mit Prag verbindet, kein Nachtexpress nach Bucuresti. Keine nervenden Kontrollen der Pässe, des Gepäcks, der Gesichter durch Dutzende von Grenzern der beiden sozialistischen Bruderstaaten hüben und drüben. Neben  Berlin sind nur noch Prag, Wien und Budapest übriggeblieben, die über eine der schönsten Eisenbahnstrecken Deutschlands durch das Elb-Sandsteingebirge erreicht werden können.

 

Das sind so Gedanken - Erinnerungen - die einem kommen, wenn  man in ein „Erinnerungsprojekt“ eingebunden bin, dessen wichtigster Teil 60 Erinnerungskisten sind, das extrem ansteckend ist und bei allen Betrachterinnen und Betrachtern sofort eigene reminiscence-Prozesse in Gang setzt. Diese memory boxes stehen gerade in Prag in der Synagoge Na Palmovce und ich bin auf dem Weg, um mich mit ihnen zu treffen.

Also: Kassel – Leipzig – Dresden – Bad Schandau – Decin (Tetschen) – Usti nad Labem (Aussig) – Praha Holesovice; die Landschaften fliegen vorbei. Da hinten Theresienstadt – „Chansons und Satire aus Theresienstadt“, eine Produktion des Staatstheaters Kassel in der Jerusalemská Synagóga, „Šansony a satiry z Terezina“, eine spannende Gastspieltour mit Esther, Peter und Hartmut. Wann war das noch mal? So neun oder elf Jahre her? Ach so, 1995. Mit der Wachablösung vor der Prager Burg, von der Esther später behauptete, es sei so eine Art Operette gewesen. Und  bei der Peter und ich uns darüber einig wurden, dass in den Museen die Bilder nach thematischen Schwerpunkten geordnet werden müssten, „Landschaften“ z.B. oder „Biblische Geschichte“. Die Abteilung „Sex and Crime“ fanden wir am spannendsten...

 

Freitag, 8. April 2005, Prag ist kalt und grau. Der Ausstellungsort ist per Metro schnell gefunden, trotz sehr umfangreicher Bauarbeiten. Die Ausstellung schließt in 30 Minuten, ich kann gerade noch den tschechischen Kollegen Petr begrüßen und eine kurzen Blick auf die Ausstellung erhaschen. Die Synagoge wird als Gotteshaus nicht mehr bespielt, ist innen düster und ungemütlich, die Spuren des Jahrhunderthochwassers, vier Jahre her, sind noch deutlich sichtbar. Mir gefällt der morbide Charme des Ausstellungsraumes, dessen Grauheit durch das milde Leuchten der Boxenbeleuchtung eine geradezu anheimelnden  Atmosphäre erhält, nicht so negativ, wie er in den Auswertungsgesprächen des Projektes beschrieben wird, à mon  avis...

 

Synagoge Na Palmovce

 

Der Abbau beginnt. Raik, der Tourmanager des Projektes (später Turman genannt), hat den Abbau nach den Erfahrungen in Poznan und Kassel,  bereits fest im Griff und trotz knapper manpower durch die Prager Kollegen ist die Ausstellung nach rund vier Stunden im Bauch unseres Ausstellungsfahrzeuges (VW – LT) mit dem amtlichen Kennzeichen GRZ - ZZ 214 verschwunden. Es ist nach der Ausstellungseröffnung in Kassel das fünfte Mal, dass ich „MMM“ (Making Memories Matter) als heftig schweißtreibendes Projekt erlebe.

 

Sonntag Morgen, 10. April 2005, Autobahn Prag – Brno – Bratislava, 255 km,   Europastraße E 65, Prags Vorstädte sind ebenso spannend wie alle Vorstädte in Europa: Plattenbauten,  Straßen auf Hochbrücken, Baumärkte, Autohandlungen mit Autohalden, Reklametafeln über Reklametafeln. Vom wunderbaren Charme der Innenstadt bleibt absolut nichts übrig. Der Verkehr wird geringfügig weniger, auf der Gegenfahrbahn stehen auffällig viele Polizeifahrzeuge, gegen die Fahrtrichtung. Eine viertel Stunde später wissen wir warum: Beim Tanken kommt uns Django entgegen, breitschultrig und breitbeinig, mit Colt und verspiegelter Sonnenbrille. Django stellt sich als Zollbeamter vor und belehrt uns, dass eine Autobahnvignette an unserem Van fehlt. Das könne sehr teuer werden, zwischen 150,00 und 15.000,00 EUR. Mit 70,00 EUR sind wir dabei und kleben unseren ersten „Highwaysticker“ (so die tschechische Intensivwerbung für die Autobahngebühr) an die Windschutzscheibe, den ersten von einem halben Dutzend. Die Vignetten sind in dieser Ecke der Welt auf allen Autobahnen Pflicht, mal können sie tageweise, wochenweise oder als Jahresabo gekauft werden. Lediglich Rumänien verzichtet mangels Autobahn auf Autobahngebühren, erhebt dafür allerdings eine Straßenbenutzungsgebühr, in Euro selbstverständlich.

 

Brno (Brünn) – Bratislava (Pressburg), Richtung Budapest, erster Grenzübergang der Tour, Brodské, von Tschechien in die Slovakei, Hinweise: „Die Autobahn-Vignette erhalten Sie an der Grenze, an grenznahen Tankstellen in Bratislava oder an den Mautstrecken und in Postämtern.“ Auch in Euro natürlich. Über eine brandneue Autobahn geht es weiter am Airport vorbei in Richtung Ungarn, zweiter Grenzübergang – Bratislava (Raijka, ab jetzt E 60, E 75). Umdenken von Tschechischen Kronen in Slovakische Kronen in Forint, ziemlich viel innerhalb von zwei Stunden für uns verwöhnte Euro-Reisende.

 

Richtung Budapest – Györ ist die erste Großstadt auf dem Weg in Richtung Osten. Györ, mögliche Partnerstadt Kassels als Kulturhauptstadt 2010, ist eine Pause wert.

„Die an Baudenkmälern zweitreichste Provinzstadt Ungarns hat als Anerkennung für die Rekonstruktion der barocken Innenstadt den Europapreis des Denkmalschutzes gewonnen. Die Kirchen, Paläste, Museen, charakteristischen Eckbalkone, enge Gassen, laden den Besucher zu einem stimmungsvollen Spaziergang durch die Innenstadt ein.

Győr ist eine Festivalstadt, in der die Freunde der schönen Künste, die eine anspruchsvolle Abwechselung suchen, das ganze Jahr über attraktive Programme vorfinden.“ (www.gyoer.hu).

 

Die Kaffeepause hat nach Meinung der Parkuhr zu lange gedauert. Ein eifriger Ordnungshüter 

schloss sich der Meinung an und verpasste uns einen Strafzettel, er blieb übrigens der einzige auf der 12.600 km langen Route. Erinnerungsprojekt hin oder her, heute kann sich keiner mehr erinnern, wer ihn bezahlt hat.

 

Zunahme des Verkehrs und noch mehr Zunahme signalisiert die Nähe von Budapest. Trotz Stoßstange an Stoßstange ist die Umfahrung über eine vierspurige Autobahn in einer knappen Stunde geschafft, weiter in Richtung Osten, plattes Land, irgendwie sieht es bald aus wie die Puszta,  es ist die Puszta. Weiter nach Osten, die Straße wird schmaler  in der Weite der Tiefebene beginnt das zarte Knospen der Kirschbäume, der Schlehdorn blüht, Birken schimmern grün. Letzter Stop an diesem Tag - Szolnok.

„Die Stadt Szolnok mit Komitatsrecht liegt 100 km östlich von Budapest, am Zusammenfluss der Flüsse Zagyva und Theiß und ist für die Tiefebene ein Knotenpunkt für Verkehrsverbindungen zu Wasser, zu Land und mit der Eisenbahn. Der Ort mit 81.000 Einwohnern liegt nach der Bevölkerungsanzahl bemessen an 11. Stelle und ist ein Zentrum für Wirtschaft, Kultur, Fremdenverkehr, Bildung und Gesundheitswesen.“ (www.szolnok.hu)

 

Eine der schönsten Städte der Tiefebene begrüßt Sie!
Unsere Vorväter fanden vor fast 1000 Jahren bei der Mündung der Flüsse Theiß und Zagyva Ihr Zuhause und errichteten unsere Stadt im Laufe von Jahrhunderten.....
(...durch die guten Verkehrsverbindungen...) kamen aber nicht nur Transporte, sondern auch Besatzungstruppen an. In unserer Geschichte wurde die Stadt fünfmal in Schutt und Asche gelegt, jedoch wurde sie von den Einwohnern, von den Szolnokern immer wieder aufgebaut und verschönert.

Botka Lajos

Bürgermeisterin

 

Vielen Dank, Frau Bürgermeisterin, für diese freundliche Begrüßung in Ihrer Stadt! Eigentlich haben wir nur gestoppt, weil uns der Anblick des Hotels „Pelikan“ so in den Bann gezogen hat, dass  wir einfach dort übernachten mussten. Jeder Westeuropäer, der irgendwann mal den Ostblock bereist hat, kennt den Hoteltyp „Interhotel“, und in Szolnok funktioniert er noch, zwar „gewestelt“, mit EU-Flagge davor, freundlicher Service, aber unverkennbar „Interhotel“, die Fenster sind verschraubt, weil laut Plan ja noch Winter ist. Die zerstörerische Vergangenheit der Stadt ist überall  sichtbar, manchmal entsteht der Eindruck, die Wende habe nur durch Verwendung knalliger Farben stattgefunden, die nicht immer ganz zusammenpassen. Aber im Nachbarrestaurant von „Pelikan“ gibt es hervorragendes Essen.

 

 


Supermarkt in Szolnok

 

Montag 12. April 2005, noch rund 140 km E 60 bis zur rumänischen Grenze, Übergang Borş. Nach einigen Fehlversuchen, den zuständigen Schalter zu finden, dauerten die Grenzformalitäten eine knappe Stunde. Unser Carnet ATA (ein wichtiges Zollpapier für den EU-Grenzen überschreitenden Verkehr) war nur „ganz oben“ (im vierten Stock) bekannt. Außer einer Kiste Pilsner Urquell interessierte niemand der Inhalt unseres Van. Über Oradea (Schon mal von Grosswardein gehört??) weiter in Richtung Cluj-Napoca, der Hauptstadt Transsilvaniens. Wir waren gewarnt worden, sollten besonders auf  Außenspiegel achten, aufpassen, dass niemand die extrem gefährdeten Räder des Autos bei Nacht abmontieren  könne, dass hinter jeder Kurve ein Straßenräuber sitzen würde, unser Fahrzeugsponsor, unsere Versicherungsgesellschaft, alle fürchteten in der Romanai das Schlimmste.  Aber vor Transsilvanien hatte uns niemand gewarnt – also statteten wir zur Gefahrenabwehr die Fahrerkabine erst einmal mit viel Knoblauch, Holzpflöcken und Kreuzen aus. Es hat geholfen, weder Vampire noch Straßenräuber, weder Reifenabmontierer oder andere Klauer haben uns geschädigt, auch keine Autobumser.

 

Alles ganz normal, die EU-Flagge an vielen Gebäuden, viel Fernverkehr, weil wir die Hauptverbindungsstraße nach Bucuresti benutzen, die Kilometersteine erinnern an die französischen Nationalstraßen, halbrunde Form, roter Kopf, km-Angabe.

 

Wegweiser nach Cluj Napoca 

Zwichen Oradea und Cluj-Napoca

 

Überhaupt sieht auf den ersten Blick alles sehr europäisch aus. Und schließlich funktioniert auch das europäische Handynetz wieder und wir können uns bei unseren Kooperationspartnern in Cluj anmelden, Treffpunkt Parkplatz Praktikermarkt (!) am Stadteingang. Eine spannende und interessante Woche mit liebevollen Einladungen und  voll  rumänischer Gastfreundschaft begann!

Cluj – Napoca: “In the Middle Ages the name of the city was Culus, as attested in documents of 1173, but by the beginning of the 15th century it was known as Cluj. The name Cluj - Clus as named by the local people speaking a middle age and popular latin language, comes from the latin c l u s u m, or closed, due to the fact that the place is surrounded by protective and beautiful hills. Later, the city has also been known by its German name, Klausenburg, and its Hungarian name, Kolozsvár. It became a thriving commercial and cultural center, and in 1405 it was declared a free town. After the constitutio n of the autonomous principality of Transylvania in the 16th century, Cluj became its capital. In 1920 the city, with the rest of Transylvania, was joined with Romania.” (http://sal-cnc.me.wisc.edu)

 

12. bis 17. April 2005, high–lights in Cluj: „Die Erste“ - Ausstellungseröffnung im Corvin Haus. Das Corvin Haus in Cluj ist eines der ältesten Gebäude der Stadt, es erinnert an den ungarischen König (1458 – 1490) Mathias Corvinius, gehört zur Kunsthochschule der Universität, liegt unmittelbar am Rande der Innenstadt. Für die Kisten war im Gewölbekeller ein Atelierraum frei gemacht worden, ziemlich eng und wir mussten die Ausstellung vierreihig aufstellen, war sicherlich sehr eng, sah aber trotzdem gut aus. Das Hilfspersonal war dünn gesät, Raik und ich kamen schon wieder richtig ins Schwitzen. Das war auch der überwiegende Aggregatzustand der Besucherrinnen und Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung, es drängelten sich: ca. 180 Menschen, drei Fernsehteams, fünf weitere Medienvertreter und 40 Kinder einer Schulklasse.

Während der Geschäftsführer unserer offiziellen Partnerstiftung ein Interview nach dem anderen gab, deklamierten die Kistenbauerrinnen und Kistenbauer unter Anleitung unserer realen Kooperationspartnerin Vasilika ihre Lebensgeschichten vor dem Eröffnungspublikum – ein mutiges Unterfangen.

 


Corvin Haus in Cluj-Napoca

 

High–lights in Cluj: „Die Zweite“ -  Vasilika Stamatin, die bereits erwähnte reale Kooperationspartnerin, von Haus aus Schauspielerin am Nationaltheater Cluj-Napoca, lud uns ein, am Vormittag die Wiederaufnahmeprobe der Komödie „The fiances are landing in Paris" und am Abend die Vorstellung zu besuchen. Die Komödie kennt jeder: Ein reicher Lebemann organisiert Parallelbeziehungen zu drei Damen (hier Stewardessen) an Hand der Flugpläne. Als diese wegen Nebels außer Kraft gesetzt werden müssen, treffen die Mädels zur gleichen Zeit bei ihm ein, Tür auf, Abgang, Tür zu Auftritt, wie das in Komödien so üblich ist. Besonders war „nur“, dass das Stück von Florin Piersic, einem der beliebtesten Schauspieler Rumäniens (auch international bekannt) inszeniert war, der auch die Hauptrolle spielte. Die weibliche Hauptrolle gab´s von einer ehemaligen Miss Rumänien,  beeindruckende An-, Aus- und Einblicke! Das Theater (1200 Plätze) war seit Wochen ausverkauft, die Zuschauerrinnen und Zuschauer tobten, standing ovations. Wir haben natürlich kein Wort verstanden, aber alles mitgekriegt. Schon spannend, wie ein rumänischer Regisseur deutsche, französische oder amerikanische  Figuren entwickelt (oder das, was er dafür hält...).

High–lights in Cluj: „Die Dritte“ - Grillnachmittag am Wochenende, in einem wunderschönen Seitental am Rande von Cluj, erster warmer Frühlingstag der Saison. Vasilicas Senioren und Seniorinnen, die wir ja alle als Kistenbauer bereits  kennen gelernt hatten, waren Gastgeber und Gäste zugleich. Mit kräftigen Getränken wurde schnell heiße Stimmung erzeugt, Gesang und Tanz waren die Parole. Endlich einmal raus aus den eintönigen grauen Plattenbauten der Vorstadt. Und Gäste aus Deutschland dabei, aus Europa, zu dem man ja auch bald gehören würde. Selbst Seniorinnen und Senioren fragen in Rumänien nach Englischkursen, weil sie mit dabei sein wollen, in Europa.

 

VW-LT

Schneeschmelze in der Hohen Tatra

Von der Gastfreundschaft in der wunderschönen Stadt, mit zauberhaften Cafés, freundlichen Menschen (von den unter dreißig Jährigen spricht fast jeder Englisch), interessanten Geschäften und schmackhaften Restaurants waren wir begeistert. Natürlich sieht man auch Probleme, aber Europa gab diesem Land die Freiheit, an jeder Straßenecke in Cluj-Napoca ist spürbar: Es gehört dazu.

 

18. April 2005, abbauen, abfahren, Verabschiedung von unserem offiziellen Kooperationspartner (Wer war das noch mal?), von unseren Gastgebern, Tschüss, bis Berlin. Zurück über Oradea, die Grenze nach Ungarn, Kontrolle mit einem Art Scanner, wie wir ihn von der Gepäckkontrolle an den Airports kennen, nur für LKWS, mit Fernsehaufzeichnungen. Nach Norden, Debrecen, noch eine potentielle Partnerstadt als Kulturhauptstadt 2010, Kaffeepause.

Der Name der Stadt wurde zuerst im Regestrum von Várad im Jahre 1235 erwähnt. Bis Anfang des XIII. Jahrhunderts war Debrecen nur eine der kleinen Dörfer in der Gegend. Nach dem Mongolensturm wurde es dank ihren Feldherren Anfang des XIV. Jahrhunderts zum Herrschaftssitz. 1311 wurde die St. Andreas Kirche in frühgotischem Stil aufgebaut. 1332 wurde ein Rat für die Führung der Gemeinde gegründet; 1361 erhielt die Stadt den Freibrief von Ludwig (dem Großen) I., damit wurde die freie Richterwahl gesichert.“  (www.debrecen.hu)

 

 

Weiter Richtung Norden, den Karpatenausläufern entgegen, E 50. Die Slovakei erreichten wir bei Kral (Grenze), Košice (Kauschau) ist Zwischenziel. Unterwegs rückte eine riesige Burganlage immer näher:

 Die Burg von Spis (Zips) in der Ostslowakei, die 1241 dem Tatarensturm widerstand, ist die größte in Mitteleuropa und gehört ebenso zum UNESCO-Weltkulturerbe wie Banska Stiavnica („das silberne Schemnitz“) mit seinen technischen Denkmälern...“(www.slowakei-net)

 

 

Burg Spis

 

Erinnerungen? Sehr schwach, haben wir davon einmal im Geschichtsunterricht gehört, Tartarensturm???? Europäische Geschichte – wenig Erinnerungen. Tagesziel ist Levoča, ein kleines Städtchen auf der „gotischen Straße“ quer durch die Slowakische Republik, knapp 14.000 Einwohner.

 

Die älteste Urkunde, in der man zum ersten mal Levoča trifft, erließ der ungarische König Belo IV.  im Jahre 1249 und legte in ihr den  rechtlichen Akt des Grundstückenschenkens dem Zipser Propst nieder. In dieser Urkunde lesen wir, dass die Grenze des Landes Jablonov  zur Straße hinunter verläuft, die nach Levoča führt nieder. Im Jahre 1271 tritt schon Levoča als ein Zentrum der Sachsenprovinz aus und zusammen mit anderen Zipser Städten nutzen sie die Rechte der freien Königsstädten: sie haben eigene Selbstverwaltung, Gerichtsbarkeit, persönenliche Freiheit, das Erzförderungsrecht, das Recht zur Nutzung der Wälder, Handwerksausübung, das Recht des Handels und das Lagerrecht.“(www.levoca.sk)

 

19. April 2005, es ist gerade Zwischensaison, nichts los also im Städtchen, aber nett anzuschauen. Am nächsten Morgen über Deutschendorf (nie gehört, heißt heute auch Poprad) noch weiter in Richtung Karpaten, in der Nähe von Popspády über die polnische Grenze, immer dicht unterhalb der Wolkengrenze, am Straßenrand tauen Restschneefelder vor sich hin. Zakopane, mehrmals Austragungsort der Skiweltmeisterschaften, bleibt links liegen und wir beeilen uns, weiter über die E 77 nach Kraków zu kommen. Nach dem Hotel Check-in bleibt noch genug Zeit für einen Bummel durch die wunderschöne Stadt an der Visla, über den riesigen Marktplatz, an der Wawel-Burg vorbei, den sterbenden Trompeter hörten wir auch noch.

 

„Herzlich willkommen im sagenumwobenen Krakau (Kraków), wo die Zeit anders fließt und wo jeder hier verbrachte Augenblick in die Geschichte eingeht. Jahrhunderte lang war Krakau Hauptstadt Polens, Sitz der Könige, ein Ort, der große Gelehrte und Künstler aus der ganzen Welt angezogen hat. Gerade dank ihrem Talent und ihrer Phantasie entstanden viele einmalige Denkmäler, die Abbildungen der wichtigsten europäischen Kulturströmungen sind.“ (www.krakow.pl)

 

Am überraschendsten in Kraków war das Erwachen am nächsten Morgen. Per ARD und BILD teilte uns die Heimat mit:  „Wir sind Papst“! Na so was......

 

20. April 2005, Papst hin oder her, Nordland ruft. Wenn man Warschau rechts liegen lässt, erreicht man unweigerlich nach einer guten  Stunde Stadtumfahrung in dichtestem Großstadtverkehr die E 67, auch „Via Baltica“  genannt. In Mitteleuropa sind uns die Klassiker „Via Appia“ oder „ViaAurelia“ natürlich bekannt, aber „Via Baltica“???  Ein ziemlich gigantisches EU-Projekt zur Verbesserung der Infrastruktur, zur Verbesserung der Straßenverkehrsverbindung zwischen Warschau und Tallin.

Wegweiser nach Krakow

Grenze CS – PL

 

In den folgenden zwei Tagen begegneten uns an jeder Orts- und Stadtdurchfahrt die großen Bauschilder mit den goldenen Sternen auf blauem Grund: „With the support of...“. Vorsichtige Schätzungen: 60% der gesamten Route sind fertiggestellt, Ortsumgehungen, vierspurig, Überlandrouten großzügig zweispurig, mitteleuropäischer Standard von gut ausgebauten Fernstraßen, schnurgerade durch flaches Land. Bemerkenswert sind zwei Dinge: Erstens, die EU muss dieses Projekt bereits lange vor dem offiziellen Beitritt der durch die Straße verbundenen Länder eingefädelt haben. Zweitens, (was wir hier im Westen offensichtlich nicht mehr mitkriegen), die Bevölkerung merkt, die EU tut was fürs Land (Auch die EuroLiner, die das Baltikum mit Kassel verbinden, fahren hier entlang.)

 

Allee

Via Baltica

 

Über die kilometerlange, teils schnurgerade, von Birkenwäldern gesäumte „Via Baltica“ nähern wir uns über Białystok Masuren. Landschaft mit kleineren und  größeren Seen lädt zum Verweilen ein, aber selbst kurzes Verlassen der Fahrerkabine unseres VW – LT  lässt wegen der herrschenden Temperaturen ziemlich schnell schlottern. Hier müsste man eigentlich Urlaub machen.... In der Nähe von Augustow finden wir an einem der eher kleineren Seen ein wunderschönes Ferienhotel, Zimmer mit Balkon zum See, Preis moderat, sich vorbereitend auf die Saisoneröffnung am bevorstehen Wochenende.  Wie überall in dieser Gegend, freundliche Begrüßung, zuvorkommender Service, entsprechende Bemerkungen, „...man gehöre ja schließlich inzwischen zu Europa...“

Augustow: 53°51' n. B. 22° 58' ö. L.

 

21. April 2005, Augustow ade , sanfter morgendlicher Nebel über dem zauberhaften See, ´n bisschen kalt vielleicht, noch 50 km bis zur Litauischen Grenze, selbstredend „Via Baltica“, die goldenen Sterne auf blauen Grund, die auch unser Auto zieren, sind weiterhin treue Begleiter, „With the support of ......“, hatten wir schon.

 

Unspektakulär der Grenzübergang Sangruda, allerdings genaue Kontrolle der Fahrzeugpapiere,  statt nach Norden, nach Kaunas, bogen wir ab in Richtung Vilnius/Wilna, nicht mehr „Via Baltica“. Wilna, Hauptstadt, Entsetzen, schwerstbewaffnete martialische Polizisten überall (die haben gut von uns gelernt), Scharfschützen deutlich erkennbar auf den Dächern, so wichtig ist unsere Ankunft doch eigentlich gar nicht, oder? Verkehrschaos! Hotelunterkunft? Aussichtslos. Ach so, Condoleezza Rice war schon vor uns da....  Woher sollten wir auch aktuell wissen, dass gerade an diesem Tag die NATO-Konferenz in Vilnius stattfand. Minister Struck hat uns nicht begrüßt, war auf  Nachfrage bei sogenannten informierten Kreisen bereits abgeflogen. Wahrscheinlich haben wir deshalb doch noch ein wunderschönes Hotelzimmer gefunden, fasst schon beim Wegfahren, Preis nicht mehr so moderat (überhaupt zeigten die Hotelpreise von Ungarn ausgehend ständig steigende Tendenz...). Mit dem Hotelzimmer finden hatte es so seine Probleme. In Vilnius sind wir der einzigen unfreundlichen, inkompetenten und lustlosen Person im Fremdenverkehrsgewerbe auf der ganzen Tour begegnet, falsche Auskünfte, falsche Angabe, leeres Fax verschickt, unrechtmäßig Geld kassiert. Schade für den schlechten  Eindruck von dieser schönen Stadt.

 

22. April 2005, von Vilnius gibt es tatsächlich eine bestens ausgebaute Autobahn in Richtung  Lettland, die uns in Šiauliai wieder auf die „Via Baltica“ bringt. Schon wieder Irritationen, warum hieß diese Stadt Schaufen, schon wieder im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst, oder alles vergessen???

Turm

Hauptbahnhof Riga

 

Grenze zu Lettland, namenloser Übergang, richtig schengenmäßig. Noch 80 km bis Riga. Erinnerungen an Henning Mankell, „Die Hunde von Riga“. Spielte da nicht der Bahnhof eine wichtige Rolle? Bahnhof: Zweimal täglich Verbindung nach Warschau mit Anschluss nach Berlin, auch nicht schlecht! Riga, fast Millionenstadt, arm und reich, Fortschrittlich- und Rückständigkeit, russische und lettische Bevölkerungsgruppen prallen heftig aufeinander. Wir empfinden Riga als eine kalte Stadt, nicht nur wegen der ausgesprochen kühlen Witterung.

 

 


Wappen von Riga

 

Riga – Tallin, 300 km, natürlich E 67, „Via Baltica“, aber davon die Hälfte unmittelbar am Baltischen Meer entlang, kilometerlanger Sandstrand,  50 bis 200m breit, dann ein Kiefersaum, dann Straße. Der Ostseeküste wird in dieser Region nachgesagt, ziemlich bernsteinhaltig zu sein. Knappe 10 Minuten währte der Versuch, welchen zu finden – ein eiskalter Nordwind trieb trotz Sonnenschein die Tränen in die Augen. Also kein Bernstein.

 

Tallin (Reval, auch wieder ein deutscher Name), die Hauptstadt der kleinsten baltischen Republik.

 

The passing centuries have made Tallinn's historic centre the city's best-known trademark. The old town has several unique buildings, like the Oleviste church, in its day the tallest building in the medieval world, the longest intact medieval city wall, and the oldest functioning apothecary in Europe. The old town has succeeded in preserving its historic atmosphere: walking around among medieval churches and guild halls really takes you back in time and makes you feel like a true citizen of medieval Tallinn.” (www.tallinn.ee)

 

Die offizielle Homepage spart auf ihrer Startseite die deutsche Vergangenheit von Reval so ziemlich aus.......

 

Auf den ersten Blick war in Tallin am Abend unserer Ankunft der Teufel los. Mit Mühe fanden wir noch ein Hotelzimmer, fast schon wieder die Stadt verlassend. Hier war der Preis mit 90 Euro überhaupt nicht mehr moderat, natürlich mit W-LAN Verbindung, wie das in Estonia üblich ist. Freundlich klärten uns die Hotelbediensteten auf, dass eben Wochenende sei und deshalb alle Hotels ausgebucht seien, alle Kneipen voll seien, so viele Touristen da seien, und überhaupt und so.  Später bekamen wir mit, dass 98% dieser Touristen Finnen auf Wochenendtrip waren, mal eine kurze 1 ½ stündige Fährfahrt zum „ölen“ nach Tallin. „Geölt“ wurde bereits morgens ab 9.00h, die Kneipen waren sehr gut besucht, die Stimmung fröhlich, in speziellen Shops wurde der Wodka im preiswerten 6erpack angeboten. Übliche Währung beim Einkauf - Euros (für Euro-Sammler: Die meisten waren Finnische). Ein Tag später, Stadtbummel, Tallin wäre noch mal ein Besuch wert, im Frühsommer soll es ganz angenehm warm hier werden...



Turman nimmt die Fähre nach Helsinki, tröstet estische Gastarbeiter mit Bierspenden und räumt finnische Wodkatouristen aus dem Weg. Spät am Abend wird er unsere Kooperationspartner in Kotka erreichen.

 


...no better  way to fly ..

 

Für mich gibt es keine Weiterfahrt, statt dessen Fluginformationen ..... www.estonian-air.ee

Tag       Abflug             Ankunft          Flug                 A/C                       TALLINN - TLL  - FRANKFURT - FRA

        •••••6•      15:00             16:35            OV161         BOEING 737-500

 

Über den Wolken - war da in den letzten 2 ½  Wochen irgend etwas? Erinnernswertes? Spannendes? Da war doch noch was? Erinnerungskisten vielleicht.......

 

manfred zalfen



zum Seitenfang